Interview mit Steffi Bröckel

Steffi Bröckel, 49 Jahre , verwitwet, 2 Kinder im Alter von 18 und 20 Jahren
Wohnt im Georgenberggebiet

Sozialpädagogin

Hobbies:
Volleyball, Radfahren, Wandern und die Kreuzkirchengemeinde
(Kirchengemeinderätin, im Leitungsteam der Kinderferienwoche, Organisatorin und Managerin zahlreicher Kochaktionen im Rahmen der Kreuzkirche: Kinderferienfreizeit, TenSing-Treffen, Mittagessen nach Gottesdiensten, monatlich Ma(h)l-Zeit )

 
 
 
 
 

Liebe Steffi, was hältst du von Diäten?
Nichts! Ich esse dazu viel zu gerne und habe noch nie eine Diät ausprobiert!

Dein Lieblingsessen ist …
... der Spätzlesauflauf, den meine Freundin Beate kreiert hat, mit einer tollen Hackfleischsoße.

Seit wann kochst du für die Besucher und Gemeindemitglieder in der Kreuzkirche?
Für das Projekt Ma(h)l-Zeit seit Mai 2012. In diesem Jahr habe ich eine einzige Mail verschickt, um Mitstreiter für das Kochen zu begeistern, und das hat genügt. Seitdem wird in der Kreuzkirche für alle, die kommen wollen, an einem Freitag im Monat ein Mittagessen gekocht! In der Kinderferienwoche habe ich von 2009-2014 in der Küche mitgearbeitet.

Für wen kochst du am liebsten?
Eigentlich koche ich gar nicht gerne! Und ich kann auch nicht besonders gut kochen! Aber ich finde alle, die mitmachen, so nett und die Freude und das Strahlen der Bekochten so schön, dass mich das anspornt und dass damit alles gelingt!
Mittlerweile haben wir auch so viel Routine, dass wir immer ganz entspannt sind.

Wie ist das Projekt Ma(h)l-Zeit entstanden?
So etwas hat mir schon immer vorgeschwebt. Als dann im neuen Gemeindezentrum auch eine Profiküche entstand, konnten wir loslegen. Das erste Mal war natürlich total spannend. Aber es kamen sofort 75 Menschen, jetzt sind es zwischen 140 und 160, da hat sich etwas entwickelt.

Wie schafft man es, für so viele Menschen zu kochen, die sich ja noch nicht einmal anmelden müssen?
Gute Vorbereitung, gute Planung, Gelassenheit, Mut. Und wenn es mal eng wird, muss man an einer kleinen Schraube drehen, z.B. etwas weniger für den Obstsalat schnippeln und dafür Joghurt servieren. Aber sollte einmal etwas tatsächlich ausgehen, dann ist das überhaupt nicht schlimm, sondern für uns alle, da es uns prinzipiell ja so gut geht, eine sinnvolle Erfahrung! Schlimmer ist es, wenn etwas übrigbleibt, da wir ja nichts wegwerfen wollen. Dann ist es nochmals ein Aufwand zum Schluss, alles gut zu versorgen.

Wie war dein beruflicher Werdegang?
Nach dem Abitur habe ich an der Berufsakademie Stuttgart in einem dualen Ausbildungsgang Sozialpädagogik studiert und bin nun seit 25 Jahren beim Sozialamt Reutlingen tätig. Seit 8 Jahren arbeite ich im Bereich der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung.

Du bist Sozialpädagogin, bleiben wir beim zweiten Teil deiner Berufsbezeichnung. Was sind für dich die wichtigsten Erziehungsprinzipien?
Ehrlichkeit-wenn man mit sich und mit anderen ehrlich ist, folgt daraus alles andere. Und mit Herzlichkeit und Humor, die natürlich ebenfalls wichtig sind, schafft man es auch, ehrlich zu sein, ohne dem anderen zu nahe zu treten.

Wenn du nochmals 17 wärst, was würdest du auf alle Fälle tun?
Das breite Angebot der Schule mehr nutzen, besonders im Bereich der Sprachen und in Geschichte. Und ich würde zum Schüleraustausch mitgehen!

Was waren die wichtigsten Ereignisse in deinem Leben?
Die Geburt meiner beiden Kinder und der viel zu frühe Tod meines Mannes vor 10 Jahren. Prägend sind ja immer die Ränder des Lebens- Geburt und Tod. Kinder krempeln das Leben total um, ebenso der Tod, wenn man ständig merkt, dass neben einem eine Lücke ist, dass ein ganzer Teil fehlt.

Wer hat dir in der damaligen Situation, als dein Mann gestorben war, am meisten geholfen?
Mein kleiner Sohn, er hat zu mir gesagt:“ Ich glaube, du musst ganz bald wieder arbeiten, dann geht es dir besser!“ Die Schule war für die Kinder, die Arbeit war für mich Struktur und somit Hilfe, und das hat der kleine Kerl ganz richtig gespürt. Bei der Arbeit wusste ich, wie es geht, alles andere musste ich neu lernen.- Und dann haben natürlich meine Eltern und Schwiegereltern ganz viel geholfen und auch unsere Freunde, wir waren nicht allein!

Was bedeutet die Kreuzkirche für dich?
Heimat. Ich gehe da unheimlich gerne ein und aus. Ich freue mich sehr über das offene Haus und dass wir diese Vision der Offenheit, die wir beim Bau des neuen Gemeindezentruns hatten, Wirklichkeit werden lassen konnten. Ich bin immer richtig glücklich, wenn ich dort bin und Menschen treffe!

Wie wichtig ist dir dein Wohngebiet am Georgenberg?
Wichtig ist mir, dass es zum Kreuzkirchengebiet gehört. Wir haben auch eine sehr gute Nachbarschaft, unsere Kinder hatten immer viele nette Spielkameraden. Und einmal im Jahr gibt es ein Straßenfest, zu dem alle etwas beitragen.

Wofür steht das Projekt „lebenswert“ aus deiner Sicht?
„lebenswert“ ist ein Projekt und ein Teil der Kreuzkirchengemeinde. Mir ist es wichtig zu betonen, dass es die Gemeinde mit zahlreichen Aktivitäten auch schon vorher gab und dass das Projekt ein Kind der Kreuzkirche und aus ihrem christlichen Geist entstanden ist. Für mich ist es ein Projekt tätiger Nächstenliebe, gelebter Nächstenliebe, das sollten wir immer betonen. Dabei soll niemand missioniert werden, niemand muss ein Glaubensbekenntnis ablegen, jeder Mensch ist willkommen. Aber natürlich ist es ein gewisser Balanceakt zwischen Offenheit für alle und dem Verweis darauf und dem Bewusstsein davon, dass es das Projekt ohne seinen theologischen Hintergrund nicht gäbe. Dies immer wieder zu sagen gehört für mich auch zum Thema Ehrlichkeit. Sagen wir so: Die Kreuzkirche ist liebens-und lebenswert!

Deine Wünsche für die Zukunft?
Für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie weiterhin ihren eigenen, guten Weg finden und gehen und wir es noch lange miteinander guthaben, besonders auch, was die Gesundheit betrifft.
Der Kreuzkirche wünsche ich, dass es so weitergeht wie bisher, mit Augenmaß dafür, was wir tatsächlich auch leisten können, und mit dem Bewusstsein, dass wir als Gottes Kinder geliebt sind. Ich wünsche mir, dass wir letzteres wirklich auch nach außen vermitteln können.
Den Mächtigen dieser Welt wünsche ich eine ganze Portion mehr Vernunft!

Wenn dich jemand fragt, warum sich Menschen, auf welcher Ebene auch immer, engagieren sollen, was antwortest du?
Weil nur so das Leben funktioniert. Und es ist ja nicht so, dass man nur etwas für andere tut, man bekommt ja auch so viel zurück: Zufriedenheit, Anerkennung, ein Lächeln, Freude, Freunde, einfach Glück.
Man lernt auch für sich persönlich, man lernt zu differenzieren und mehr als nur eine Interessenslage zu berücksichtigen. Das ist es doch, was in der heutigen politischen Situation oft fehlt - der Blick über den Tellerrand.
Ich kann mir für mich jedenfalls schlecht vorstellen, nichts zu tun.

Liebe Steffi, ganz herzlichen Dank und weiterhin viel Freude an deinem Engagement!

(Die Fragen stellte Helga Remsing)